Gesundheit durch traditionelles Taekwon-Do

Gesundheit durch traditionelles Taekwon-Do

Am 26. März 2017 fand in Bad Reichenhall ein Lehrgang zu dem Thema „Gesundheit durch traditionelles Taekwon-Do“ statt. Die vier Lehrgangsleiter bereiteten ihre vermittelten Inhalte entsprechend theoretisch und praktisch auf und schafften es somit, ein sehr interessantes und lehrreiches Programm zu vermitteln. Die Inhalte und Kernaussagen sollen im folgenden Artikel wiedergegeben werden.

Die vier Lehrgangsleiter und ihre Themen waren:

Orthopädie und Gelenkschäden an den Beinen und Armen (von Dr. Ralph Aman, 6. Dan)

Ziel des Vortrages war es, häufig auftretende Beschwerden und Verletzungen in den Extremitäten (Schultern, Arme, Hände und Hüfte, Beine, Füße) aus Sicht der Orthopädie zu erklären und Hinweise zu geben, wie das traditionelle Taekwon-Do lange gesund ausgeübt werden kann.

Grundsätzlich sei gesagt, dass alle sportmedizinischen Belastungsformen (z.B. Ausdauer, Schnellkraft, Aerob, Anaerob) trainiert werden, wenn sie richtig ins Training integriert werden und die Teilnehmer bewusst und gut mitmachen: Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Gewandtheit. Wichtig ist dabei, dass für ein nachhaltiges und gesundes Training folgende Reihenfolge eingehalten wird:

  1. Technik: die einzelnen Techniken müssen sauber und richtig aufgebaut werden, so dass sie beispielsweise nicht gegen die grundsätzlichen Bewegungsradien der Gelenke bewegt werden
  2. Kraftaufbau: die für die jeweilige Technik notwendige Muskulatur muss aufgebaut werden (Stabilisierung der Gelenke)
  3. Geschwindigkeit: Wenn die Technik stimmt und die Muskulatur aufgebaut ist, kann die Geschwindigkeit schrittweise erhöht werden und die Übung somit maximale Effektivität erlangen.

Es ist zu berücksichtigen, dass nicht zu oft und einseitig die gleichen Übungen durchgeführt und damit Gelenke überlastet werden. Auch auf ausreichend Pausen und Regenerationszeiten ist zu achten, damit es nicht zur Übermüdung und damit erhöhter Verletzungsanfälligkeit kommt. Im Folgenden werden die einzelnen Extremitätenabschnitte kurz erläutert:

  • Hand
    • Zur Stärkung dieser ist die Liegestütze auf den Fäusten eine der effektivsten Übungen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Handgelenk stets gerade ist und die Berührungsfläche der Faust mit dem Boden sich auf die Knöchel von Zeige- und Mittelfinger beschränkt.
    • Zur Vorbereitung der Hand für Bruchtests ist die Abhärtung durch beispielsweise Schlagen auf ein Brett durchzuführen (Knöchel von Mittel- und Zeigefinger, Handinnen- und Außenkante)
  • Ellenbogen
    • Beim Ellenbogen ist ein häufiger Fehler, dass dieser zu sehr überstreckt wird und es somit zu Schäden im Gelenk kommen kann. Durch ein Training der entsprechenden Muskelgruppen (Bizeps & Trizeps), kann dem vorgebeugt werden.
  • Schulter
    • Ein häufiges Problem des Schulterbereiches ist die Durchführung von Bewegungen, ohne die Schulter (z.B. Schulterblätter) adäquat zu dehnen. Anatomisch wird der Oberarm vollständig von Muskeln und Weichteilen am Körper gehalten. Durch zu häufige einseitige Bewegungen (z.B. Sudo oder Yok-Sudo) kommt es zu einer Überbelastung.
    • Durch eine vielfältige Stärkung und Dehnung der Schulter, beispielsweise durch das Üben von Abwehrbewegungen oder Ellenbogenangriffen, wird einem frühzeitigen Verschleiß vorgebeugt. Die Schulterkugel wird optimal zentriert.
  • Fuß
    • Durch das umfangreiche Dehn- und Kräftigungsprogramm und die richtige Ausführung der Fußstellungen im Taekwon-Do ist der Fuß vor größeren Verletzungen oder Überlastungsschäden (z.B. Umknicken oder Achillessehnenproblemen) nahezu vollständig geschützt (wenn es nicht übertrieben wird).
    • Durch diese richtige Ausführung der Techniken und Fußstellungen wird zugleich auch das Knie geschont.
  • Knie
    • Das Kniegelenk ist anatomisch darauf ausgelegt, dass der Mensch lange Strecken laufend zurücklegen kann. Rotationen, seitliche Belastungen oder hohe Geschwindigkeiten stellen hingegen eine hohe Belastung dar.
    • Schnelle Lastwechsel und die Last in starker Beugung, wie beispielsweise die tiefe Kniebeuge (über 90°) oder Strecksprünge, aus der Hocke, sollten vermieden werden.
    • Ebenso sollten Schnappkicks nur in Maßen trainiert werden, da es hierbei häufig zu einer schädlichen Überstreckung des Kniegelenks kommt.
    • Ein adäquates Krafttraining für das Knie, Sprunggelenk und die richtige Ausführung der Übungen (z.B. drehen des Standbeines beim Kicken) kann einer möglichen Verletzung erheblich vorgebeugt werden.
  • Hüfte
    • Da jeder Mensch andere anatomische Voraussetzungen mitbringt, ist die Beweglichkeit (Kickhöhe) der Hüfte stark verschieden. Ein schwungvolles kurzfristiges Erweitern dieser Beweglichkeit geht immer auf Kosten der Gelenke, da beispielsweise Kapselanteile und Sehnen am Knochen angeschlagen werden können.
    • Durch ein umfangreiches Dehnprogramm und das Eindrehen der Hüfte kann diese Einschränkung der Beweglichkeit reduziert werden.
    • Durch vielfältige und variantenreiche Übungen, bei gleichzeitiger mäßiger Durchführung belastender Kicks (Dollyo oder Pandae) und verstärkter Übung unterstützender Kicks (Pakat oder An Pakat), wird eine langfristige Beweglichkeit der Hüfte gefördert.

Zur Schonung der Gelenke sollten die Techniken nicht permanent in die Extreme ausgeführt werden. So hilft es zum Beispiel, Techniken mit kürzerem Hebel zu nutzen, wie beim Einsatz von Ellenbogen oder Knie statt Hand oder Fuß, oder schonendere Varianten der Kicks zu verwenden, beispielsweise Pakat oder An-Pakat statt Pandae oder Dollyo zu üben.

Stretching, Atmung und Kraftaufbau (von Claus Bernet, 5. Dan)

Bei einem Lehrgang am vorangegangen Tag hat Ralf Peter (7. Dan) anschaulich erläutert, wie wichtig es ist, jede Bewegung im Training bewusst auszuführen. Häufig falsch ausgeführte Kicks können mit der Zeit Probleme von Gelenken und insbesondere der Hüfte bewirken. „Wenn wir mit unserem Körper sorgsam umgehen und ihn konsequent stärken, können wir bis in das hohe Alter aktiv und ohne Schmerzen Taekwon-Do betreiben.“

Die Trainingsstunde beginnt damit den Kreislauf in Schwung zu bringen. Bernet gelingt dies trotz der Enge in dem etwas überfüllten Raum, in kürzester Zeit; einerseits durch schnelle Laufbewegungen auf der Stelle, wobei wir unsere Knie abwechselnd maximal hochziehen, und andererseits durch Halteübungen. Dabei verbleiben wir eine gefühlte Ewigkeit in der tiefen Kima-Stellung bis unsere Gesichter gerötet sind und unsere Oberschenken glühen. Jeder kämpft, um durchzuhalten, keiner möchte vorzeitig aufgeben und die Temperatur im Trainingsraum steigt durch die erhitzten Körper deutlich an. Der Wechsel in die erste Stretching-Übung ist nach der Anstrengung eine Erleichterung. Rücksichtsvoll sucht sich jeder einen Platz für seine Beine. Schließlich sitzt jeder im Raum in der Grätsche und von oben betrachtet, ist mit Sicherheit kein Stück Boden mehr zu erkennen. Bernet betont, wie wichtig das vorangegangene Aufwärmen und die Atmung für die Dehnübungen sind. Wir steigern die Dehnung langsam mit der Atmung. Wir wechseln zwischen gehaltenen Dehnübungen und solchen, die Kraft erfordern, zwischen lockernden Laufbewegungen auf der Stelle und Kraftübungen für die Hüfte. Dann darf Bernet seine Trainingseinheit verlängern. Wir freuen uns und halten weiter durch – für unsere Gesundheit und einen schönen Yop-Chagi (Seitkick).

Die Psyche der Selbstsicherheit (von Gülabi Erkoc, 5. Dan)

Ein zu schnelles Aufgeben, sogar im Alltag, lässt viele Menschen schwach werden. Ein einfaches Einknicken des Kopfes, das Zumachen der Augen bei Fehlern, Fallenlassen der Arme, sich selbst auf die Stirn hauen… dies sind meines Erachtens Zeichen von Schwäche.

Inhalt meines Lehrganges war das Ziel den Teilnehmern ihre Ausstrahlung, die sie ja von ihrem eigenen Ich nicht wahrnehmen, fühlen und somit wirken zu lassen. Ein jeder der das Kwon, Jae-Hwa Taekwon-Do betreibt, hat eine gewisse Schaffenskraft, um sich rein mit der Körpersprache zu verständigen. Die Anwesenden sollten das Gefühl von Überzeugung, Willenskraft und Zielstrebigkeit spüren. So haben sie mit einfachen Übungen, wodurch man diese Gesten unterdrücken sollte, eine sichere Haltung erzeugt.

Eine selbstbewusste und sichere Haltung, ein überzeugter Blick, Durchsetzungsvermögen (mit einer gesunden Prise Herzlichkeit), eine Art Tatkraft, aber auch Mitmenschlichkeit und Konfliktbereitschaft habe ich am Ende meiner Stunde in den Augen der Schülerinnen und Schüler gesehen.

Sehr klar wurde es von den Rückmeldungen direkt nach der Stunde. So bedankte sich eine Teilnehmerin mit den Worten: „Danke, dass Sie mir das alles so klar vor Augen führten!“

Veränderungen im Gehirn durch das Kampfkunsttraining (Dr. Björn Pospiech, 4. Dan)

Durch das Trainieren einer Kampfkunst werden, wie bei nahezu jeder Sportart üblich, bestimmte Aktivitäten und Veränderungen im Gehirn der Trainierenden angeregt. Das Besondere in einer Kampfkunst – wie dem traditionellen Taekwon-Do – ist jedoch, dass durch die Vielfalt des Trainings gleichzeitig vielfältige Effekte zu erwarten sind. Während beispielsweise der Langstreckenläufer hauptsächlich das Herz-Kreislauf-System anregt, fördern die vielfältigen Kombinationen und immer neuen Herausforderungen zusätzlich die Veränderung und Erschaffung neuer Gehirnzellen (man spricht hier von „Plastizität des Gehirns“).

Im Folgenden sollen einige der durch das intensive Training zu erwartenden Effekte auf das Gehirn erläutert werden:

Gehirnhälften werden besser verknüpft
Die vielfältigen und immer wieder neuen Kombinationen im Training werden stets beidseitig ausgeführt. Zusätzlich werden Techniken so aneinandergereiht, dass nicht permanent die gleiche Gehirnseite angeregt und gefordert wird. Durch diese intensive Nutzung beider Gehirnhälften, werden die beiden Gehirnhälften besser verknüpft und es entstehen neue Verbindungen. Diese bessere Verknüpfung macht die Trainierenden nicht nur im Sport leistungsaktiver, sondern wirkt sich beispielsweise auch auf die Konzentrationsfähigkeit im Beruflichen aus.[1]

Gehirn wird besser durchblutet
Die teilweise hohe Belastung auf das Herz-Kreislaufsystem wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper aus, sondern fördert in gleichem Maße die Durchblutung im Gehirn (höherer Blutdruck und schnellerer Puls). Dies hat gleich mehrere Effekte zur Folge. Zum einen wird die Anzahl der sauerstofftransportierenden Blutzellen erhöht, was eine bessere Durchblutung und damit auch höhere Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Auf der anderen Seite werden aber auch neue Blutgefäße im Gehirn aufgebaut, was wiederum eine verbesserte und komplettere Durchblutung zur Folge hat. Die Nervenzellen werden besser mit Sauerstoff versorgt und können in höherem Maße aufgebaut werden. Dies wiederum beugt dem verstärkten Abbau von Nervenzellen in hohem Alter entgegen und beugt präventiv (altersbedingten) Erscheinungen und Krankheiten wie Demenz, Alzheimer oder sonstigen psychosomatischen Schäden am Gehirn vor.[2]

Gehirn ist Anpassungsfähig
Die bereits weiter oben beschriebene Anpassungsfähigkeit (Plastizität) des Gehirns ist unser gesamtes Leben lang aktiv. Das heißt, dass auch in hohem Alter – mit dem Einstieg in hohem Alter – noch positive Effekte durch das Training in einer Kampfkunst zu erwarten sind. Ähnlich einem Muskel, der bei Beanspruchung stärker wird, verhält es sich auch im Gehirn. Durch die regelmäßige Beanspruchung und Nutzung des Gehirns, bauen sich vermehrt Gehirnzellen (Nervenzellen) auf. Insbesondere im Hippocampus – also dem Areal im Gehirn in dem das Wissen, das man über sich und die Welt hat, enthalten ist – werden neue Nervenzellen aufgebaut. Die Bewegung beugt also dem Vergessen vor![3]

Ein weiterer nutzbarer Effekt der Kampfkünste ist beispielsweise die Anpassung von Schmerzen. Der Schmerz wird durch Sensoren in der Haut oder den Innereien wahrgenommen, jedoch erst im Gehirn individuell und personenabhängig interpretiert. Durch eine geeignete Abhärtung, beispielsweise der Knöchel beim Fauststoß, realisiert das Gehirn irgendwann, dass die empfangenen Impulse der Sensoren keine schädigende Wirkung haben und stellt die in diesem Fall überflüssige Alarmfunktion „Schmerz“ ein.[4]

Hormonausschüttung
Durch ein langanhaltendes und intensives Training werden im Körper vermehrt Glückshormone (Endorphine) und andere Hormone (wie Adrenalin) ausgeschüttet und es kann zum sogenannten „Runners High“ oder auch „Flow-Zustand“ kommen. Wir fühlen uns deshalb nach dem Training wesentlich besser und glücklicher. Weitere Folgen können die Unterdrückung von Schmerzen und die gesteigerte Leistungsbereitschaft, aber auch die Verminderung von Depressionen und Lernstörungen sein.[5]

Ökonomisierung und Automatisierung
Durch das regelmäßige Training werden die Bewegungsabläufe immer mehr automatisiert. Wie beim Laufen können wir irgendwann die Bewegungen so ausführen, dass das Gehirn minimal beansprucht wird. Diese gespeicherten Bewegungsarten und -folgen können letztendlich so schnell abgerufen werden, dass sie nach langer und intensiver Übung reflexartig abgerufen werden können und beispielsweise vom Wahrnehmen einer Gefahr bis zur Ausführung einer abwehrenden Bewegung nur Bruchteile von Sekunden vergehen.[6]

 

Zum Weiterlesen:
[1] http://www.huffingtonpost.de/2014/07/17/neurologie-linke-rechte-gehirnhaelfte_n_5595077.html
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnRechtsLinks.shtml
[2] http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/sport-bewegung-gesundheit-therapie/seite-3
[3]  https://www.dasgehirn.info/entdecken/anatomie/der-hippocampus
[4] http://www.springermedizin.at/artikel/31308-zen-oder-die-kunst-die-schmerzempfindung-zu-lindern
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9968-2009-05-27.html
[5] http://www.sueddeutsche.de/wissen/runners-high-jogger-rausch-aufgeklaert-1.258666
https://books.google.de/books?id=ubR_l2lfsZsC&lpg=PA206&ots=DobKAhJ9OZ&dq=runners%20high%20Psychologie&hl=de&pg=PA206#v=onepage&q&f=false
[6] https://www.dasgehirn.info/handeln/motorik/kommandozentrale-fuer-bewegungen

© Textrechte liegen bei Dr. Björn Pospiech, Dr. Ralph Aman, Claus Bernet & Gülabi Erkoç. All rights reserved.
© Bildrechte liegen bei Jae-Hwa Kwon. All rights reserved.

Schwarzgurt – Trainer – Lehrer – Meister

Schwarzgurt – Trainer – Lehrer – Meister

Da ich immer wieder gefragt werde, ob ich nun ein Meister sei, und was die Unterschiede zwischen einem Trainer[1] und einem Meister seien, widme ich mich im folgenden Beitrag diesem Thema. Ich möchte damit beginnen, zu erörtern, was passiert und sich ändert, wenn man Schwarzgurt wird und wie dann die Entwicklung über den Trainer und den Lehrer zum Meister vonstattengehen könnte. Es geht mir dabei letztendlich darum, eine mögliche Entwicklung darzustellen und aufzuzeigen, wie umfassend und tiefgründig diese Entwicklung sein kann.

Jae-Hwa Kwon zeigt verschiedene Varianten des Yop Chagi (Seitwärtskick), um zu demonstrieren welche Varianten es bei diesem Kick gibt.

Der Schwarzgurt – Ein Anfang und nicht das Ziel

Obwohl einem persönlich die Zeit bis zum Schwarzgurt mitunter sehr lange vorkommen mag, so ist sie doch – verglichen mit der gesamten Lebenszeit – eher als kurz einzustufen. Aber gerade diese Phase vor dem Erreichen des Schwarzgurtes ist eine der wichtigsten im Dasein eines Kampfkünstlers, bildet sie doch die Grundlage für das technische Verständnis und das Fundament des späteren Selbstverständnisses. In dieser Phase spielt der eigene Meister eine zentrale Rolle für die eigene Entwicklung, weil dieser durch sein Wissen und seine Art, dies zu vermitteln (oder leider eben auch durch sein Unwissen und sein fehlendes Verständnis), den Weg seiner Schüler lenkt. Den Schülern bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Meister zu vertrauen, dass dieser sie wohlwollend auf einen Weg der persönlichen Entwicklung schickt und dabei begleitet – fehlt ihnen doch das Wissen und die Fertigkeiten für eine realistische Reflektion der vermittelten Inhalte.

Wenn der Schwarzgurt erst der Anfang ist, welche Grundlagen sollten dann in der Zeit bis dahin überhaupt geschaffen werden? Meiner Meinung nach ist die Aufgabe des Meisters, seinen Schülern bis zum Schwarzgurt die technischen, mentalen und philosophischen Grundlagen zu vermitteln.

Nur wenn er in allen drei Bereichen geschult wurde, kann der Schwarzgurt damit beginnen, sich intensiv mit dem Erlernten zu beschäftigen, es reflektieren und es in eine eigene Idee der Anwendung übertragen. Es geht als Schwarzgurt nicht mehr darum, seine Trainer, Lehrer oder Meister zu kopieren, sondern darum ein eigenes Verständnis von Kampfkunst aufzubauen und zu verinnerlichen, um dieses dann anderen glaubhaft vermitteln zu können.

Den Rahmen bilden dabei die zuvor erlernten Techniken, da sie die spezifische Grundlage der Bewegungsphilosophie einer Kampfkunst sind. Diese grundlegenden Techniken sind so aufgebaut, dass sie die Trainierenden ganzheitlich fordern, fördern, gesund halten und dabei der Physiologie[2] des Menschen entsprechen. Die Techniken einer Kampfkunst haben sich über Jahre, wenn nicht Jahrhunderte, entwickelt und bedürfen eines tiefen Verständnisses der Möglichkeiten des Körpers, um sie gesundheitsfördernd zu unterrichten. Dieses Verständnis gilt es aufzubauen, bevor man eine Trainertätigkeit aufnehmen kann, da das falsche Training andernfalls zu nachhaltigen, teilweise sogar negativ lebensbeeinflussenden, Verletzungen führen kann.

Des Weiteren geht es nun darum, eine eigene Trainerpersönlichkeit aufzubauen. Diese geht einher mit dem Erlangen einer „natürlichen“ Authorität, also der selbstverständlichen, lässigen und selbstbewussten Ausstrahlung, die bewirkt, dass andere einen als Wissensträger und Trainer freiwillig und von sich aus respektieren und akzeptieren. Hierbei ist ein gegenseitiger menschlicher und respektvoller Umgang ebenso von zentraler Bedeutung (Beziehungsgestaltung), wie das richtige Vermitteln der Techniken und Lehrinhalte. Ebenso wichtig ist es aber auch, an der eigenen Ausstrahlung (Körperhaltung, Gestik, Mimik, Stimme) zu arbeiten, da dies im Unterricht neben dem Zeigen der Techniken die elementaren Elemente für das Gelingen des Unterrichts sind.

Der Trainer auf dem Weg zum Lehrer

Wie es das Wort schon sagt, bildet der Trainer andere Menschen in gewissen Fertigkeiten aus. Er vermittelt ihnen auf Basis seines zuvor erlangten Könnens die technischen Grundlagen der Kampfkunst, also die Bewegungen, Abwehr- und Angriffstechniken. Dies geschieht unter Anleitung und in enger Absprache mit dem Meister, da oftmals zunächst die Erfahrung fehlt und sich die Schülerinnen und Schüler in dem von ihren Lehrern und Meistern vorgegebenen Rahmen entwickeln sollen. Der Trainer ist somit ein verlängerter Arm des Lehrers/Meisters und gibt in seinem Namen Unterricht. Aus diesem Grund hat ein Trainer keinerlei Verantwortung für die mental-geistige Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Das bedeutet aber nicht, dass er keinen verantwortungsvollen Unterricht geben soll und die Techniken entsprechend der individuellen Möglichkeiten der Trainierenden vermitteln sollte.

Der Lehrer bringt seinen Schülerinnen und Schülern neben den technischen Fertigkeiten beispielsweise auch Wissen und philosophische Hintergründe bei. Viel wichtiger ist neben der Technik also, dass er die Verantwortung für eine positive Entwicklung übernimmt. Neben dem technischen und physischen (körperlichen) Grundverständnis gehört deswegen auch ein reflektiertes und fundiertes Wissen aus den Bereichen der Psychologie und der Pädagogik dazu. Das bedeutet aus meiner Sicht, dass man nicht nach dem Muster „Ich glaube so wie ich es mache, ist es schon gut.“ vorgeht, sondern sich seiner Art und Weise des Vermittelns bewusst ist und man das eigene Wissen permanent in Frage stellen kann und versucht sich beispielsweise anhand der richtigen Literatur (oder anderer Wissensquellen) selbst weiterzuentwickeln. Gemäß dem lateinischen Sprichwort „Niemand ist als Meister geboren.“ („Nemo magister natus“) ist es eine harte und lebenserfüllende Aufgabe, ein Meister zu werden und zu bleiben.

In der Kampfkunst geht es meiner Meinung nach darum, Menschen körperlich, mental/psychisch und sozial stark zu machen und sie auf dem Weg der Kampfkunst positiv zu beeinflussen und zu fördern. Dies geht mit einer Förderung der Gesundheit und der positiven Entwicklung der Persönlichkeit einher. Es kann aber nur gelingen, wenn der Lehrer/Meister als positives Muster vorangeht und das Gesagte und die vermittelten Inhalte auch vorlebt. Die Techniken können beispielsweise durch kleinste fehlerhafte Ausführungen dem Körper immensen Schaden zufügen, anstatt zu helfen. Indem der Lehrer/Meister die Techniken richtig vorzeigt und im Anschluss bei seinen Schülern korrigiert, trägt er maßgeblich zur Gesundheitsförderung bei. Wenn er seine eigenen Fehler in der Ausführung nicht korrigiert und dadurch beispielsweise eigene gesundheitliche Risiken eingeht, wie kann er dann sicherstellen und sicher sein, dass seine Schüler sich reflektieren und notwendige Veränderungen nachhaltig annehmen.

Demnach gehört es meiner Meinung nach zu einem Meister dazu, dass man permanent an sich arbeitet und sich weiterentwickelt, um für diejenigen ein Vorbild zu sein, die zu einem aufsehen.

Flußkieselsteinbruchtest im Labor (Jae-Hwa Kwon)
Meister Kwon demonstrierte seinen Spezialbruchtest hunderte mal in der ganzen Welt. Dabei zerschmettert er einen mehrere zentimeter dicken Flußkieselstein mit der bloßen Hand. Im Jahr 1984 wurde in einem Versuchslabor gemessen welche Kräfte er dabei aufbringt.

Wann ist man ein Meister?

In einem Handwerksberuf legt man nach vielen Jahren der Arbeit vor erfahrenen Ausbildern seine Meisterprüfung ab und darf sich fortan Meister nennen. In den Kampfkünsten gibt es meiner Meinung nach so eine Prüfung vor anderen Meistern nicht, beziehungsweise lediglich pro forma. Die Prüfung findet stattdessen im Leben statt und irgendwann hat man einen Zustand erreicht, in dem andere einen auf natürliche Art und Weise als Meister anerkennen.

Demnach antworte ich auch immer auf die eingangs erwähnte Frage, ob ich ein Meister sei, dass dies von meinen Schülern und den mir umgebenen Menschen abhängt. Wenn jemand das Empfinden hat, ich sei ein Meister, so wird derjenige mir dies zu erkennen geben. Ob dies durch die Aussprache des Wortes „Meister“ vollzogen wird, oder einfach durch die Form wie er oder sie sich mir gegenüber verhält. Die Unterschiede vom Lehrer zum Meister mache ich für mich an folgenden Dingen fest. Ein Lehrer …

  • ist Experte für die Techniken der Kampfkunst, die er vermittelt.
  • ist Unterstützend und weiß, seine Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lebensweg zu begleiten und bei ihrer Entwicklung zu fördern.
  • ist Vorbild für andere und lebt seinen gewählten Weg und seine Lehren voll und ganz vor.
  • hat Kompetenzen in allen Bereichen, in denen er seinen Schülern bei Ihrer Entwicklung hilft (z.B. Pädagogik, Psychologie, Gesundheit, Medizin, Beziehungsbildung, Lebensberatung und -begleitung usw.). Wenn ihm Kompetenzen in einem Bereich fehlen, versucht er sie sich anzueignen oder er grenzt sie aus seinem Lehrrepertoire aus.
  • kennt die Hintergründe und Beweggründe seiner Kampfkunst, seines Handelns und seiner vermittelten Inhalte
  • baut die Beziehung zu seinen Schülern basierend auf Respekt, Gerechtigkeit, Anstand, Weisheit, Vertrauen, Demut und dem gemeinsamen Weg auf und nutzt seine Stellung zu keinem Zeitpunkt aus.
  • ist aktiv in der Lehre seiner Schüler tätig.
  • stellt die Entwicklung seiner Schüler in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit.

Aber selbst wenn ein Lehrer bei sich all diese Eigenschaften sieht, so ist er noch lange kein Meister. Dies wird er erst, wenn andere die Eigenschaften in ihm sehen und anerkennen. Dann wird er vom Lehrer zum Meister. Die Anerkennung geht also im besten Fall immer von den eigenen Schülerinnen und Schülern aus und überträgt sich dann durch das im Leben Erreichte und für die Kampfkunst Geleistete auf andere.

Jae-Hwa Kwon - One Body. One Life. One Mision.
Meister Kwon zu seinem 50 jährigem Jubeläum des unterrichtens in Europa und der Welt. Sein Motto: One Body. One Life. One Mission.

[1] Aufgrund der besseren Lesbarkeit verwende ich in meinen Texten auf dieser Website der Einfachheit halber weitestgehend die männliche Form. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.

[2] Physiologie meint die Möglichkeiten, die der Funktionsweise des menschlichen Körpers entsprechen, ohne ihn zu verletzen oder zu zerstören.

© Textrechte liegen bei Dr. Björn Pospiech. All rights reserved.
© Bildrechte liegen bei Jae-Hwa Kwon. All rights reserved.

Kampfkunst: Die Wirkung auf das Gehirn

Kampfkunst: Die Wirkung auf das Gehirn

Der folgende Beitrag soll mögliche und zu erwartende Veränderungen im Gehirn von Taekwon-Do- Praktikern beschreiben. Es gibt noch keinerlei wissenschaftliche Studien zu diesem Themenkomplex. So werde ich versuchen meine Annahmen aus ähnlichen Studien sowie persönlichen Erfahrungen bestmöglich herzuleiten und zu erklären.

Das Gehirn – besser: der Teil des Gehirns, welcher für das Erlernen neuer Sachverhalte eine zentrale Rolle spielt (der Hippocampus) – kann sich auch noch bis ins hohe Alter verändern und anpassen. Dies bedeutet, dass wir jederzeit neue Fähigkeiten erlangen und uns auf veränderte Situationen einstellen können. Es ist also falsch (wie es bis vor einigen Jahren Schulmeinung der Medizin war) zu behaupten, dass unsere Fähigkeiten und unser Denkvermögen irgendwann nur noch abnehmen würden. Im Gegenteil können wir sagen: Je mehr wir unser Gehirn fordern und fördern desto fitter wird und bleibt es. Ähnlich wie bei einem Muskel, der beginnt zu schrumpfen, wenn wir ihn nicht mehr trainieren und beanspruchen, beginnen wir zu vergessen, wenn wir das Gehirn nicht permanent fordern und fördern. Dies hat dann auch zur Folge, dass unsere Fähigkeiten weniger werden und der Prozess der „Degeneration“ sich beschleunigt.

Warum wird unser Gehirn durch Sport leistungsfähiger?

Durch das regelmäßige Training wird unser Herz-Kreislauf-System beansprucht und es wird permanent sauerstoffreiches Blut ins Gehirn gepumpt. Hierdurch wird das Gehirn angeregt neue Zellen (Nervenzellen) und Verbindungen (Synapsen) zu bilden. Durch diese Veränderungen können neue Informationen (Wissen, Bewegungsabläufe etc.) gespeichert werden. Zur gleichen Zeit werden aber auch alte und nicht benötigte Zellen und Verbindungen im Gehirn abgebaut und Wissen geht verloren. Wenn das Gehirn also nicht genug mit Sauerstoff und „Nahrung“ versorgt wird, bauen sich weniger Zellen auf als sich abbauen. Wir werden vergesslicher und unsere kognitiven Fähigkeiten (Wahrnehmen, Erinnern, Denken etc.) nehmen ab.

Studien zeigen, dass der regelmäßige, richtige Sport diesem Verfall entgegenwirken kann, weil dadurch mehr Sauerstoff in das Gehirn gelangt. Weiterhin gibt es Anzeichen, dass während des Sports die Bereiche im Gehirn weniger beansprucht werden, die für logisches Denken und Planen verantwortlich sind. Dies ist wie eine kurze Auszeit für das Gehirn zu sehen, wodurch der Kopf wieder frei wird und wir uns anschließend wieder besser konzentrieren und denken können. Dies kann mit Erkenntnissen aus der Kreativitätsforschung belegt werden, nach denen ein kreativer Prozess regelmäßige Auszeiten braucht, damit das Gehirn neue Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Informationen bilden kann und es schließlich zum „Geistesblitz“ kommt.

Der Hirnforscher Arne Dietrich von der American University of Beirut sagt zur Wahl des Sports: „Die Voraussetzungen sind Spaß an der Sportart und eine individualisierte Belastungsintensität, die weder als zu hoch noch als zu niedrig empfunden wird.“

Verdeutlicht am Beispiel der Hyong

Die Hyong ist eine festgeschriebene Abfolge von Techniken aus dem traditionellen Taekwon-Do. Hierbei soll ein Kampf, bestehend aus Abwehr- und Angriffstechniken, simuliert werden. Die Angreifer werden sich vom Kämpfer hierbei lediglich vorgestellt und deren Angriffe mit entsprechenden Blocks und Gegenangriffen pariert. Der so entstehende Schattenkampf hat das Ziel Techniken zu üben, zu perfektionieren und zu automatisieren. Darüber hinaus hat die Hyong aber noch weitere positive Eigenschaften für den Übenden:

Es gibt 19 Hyongs, die im System nach Jae-Hwa Kwon gelaufen werden. Insgesamt sind das 680 Bewegungen, welche man im Laufe der Jahre lernt und sich merken muss. Dabei geht es nicht nur darum sich die Bewegungen irgendwie zu merken, sondern sie mit der Zeit zu perfektionieren. Dies umfasst neben der richtigen Endposition auch die Fußstellung, die Art und Weise der Ausholbewegung und den Ausdruck beim Laufen der Hyong. Fitness spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, da jeder Praktizierende die Formen nach seinen individuellen Möglichkeiten laufen kann. Niemand muss Unmögliches vollbringen und Techniken zeigen, wie es vielleicht noch ein 17-Jähriger schafft. Hingegen soll jeder an seine eigenen Grenzen gehen und diese versuchen zu erweitern. Richtig ausgeführt sind die Bewegungen als gesundheitsfördernd für jedes Alter zu sehen. Sie erhalten und fördern beispielsweise die Beweglichkeit, Fitness und körperliche Kraft.

Für unsere kognitiven Fähigkeiten (Verarbeitung von Wissen durch beispielsweise Wahrnehmung, Erinnern, Denken und der Einsatz von Sprache) bedeutet das Laufen einer Hyong, dass durch das ständige Wiederholen der Bewegungen das Gehirn aktiv jung gehalten wird. Vielfältige Bewegungen werden mit allen Teilen des Körpers ausgeführt und das Gehirn durch die Bewegungen aktiviert. Dies hilft dem Vergessen und dem weiter oben beschriebenen Zerfall entgegenzuwirken. Das Üben der Hyong fördert also die Gesundheit der Übenden unabhängig von ihrem Alter. Selbst in höherem Alter ist es noch möglich und sinnvoll mit dem Taekwon-Do und den Hyongs anzufangen. Die Techniken sind so aufgebaut, dass sie die individuellen körperlichen, psychisch-mentalen und sozialen Fähigkeiten eines jeden Trainierenden berücksichtigen und aufbauen. Das bedeutet, dass mit einfachen und Abwehr- und Angriffstechniken mit den Armen und Händen begonnen wird. Hier ist die größte Hürde vielleicht noch die ungewohnten Bewegungsabläufe mit ihren Drehungen zu erlernen und sich die Bewegungen zu merken. Mit dem Können und den Fähigkeiten des Trainierenden werden dann auch die Hyongs komplexer und herausfordernder. Somit werden sowohl dem Körper, als auch der Psyche neue Herausforderungen abverlangt und es kommt zu einer Steigerung der Fähigkeiten. Hierbei spielt das Alter wiederum keine Rolle, da vielmehr die akkurate und richtige Ausführung der Bewegungen im Vordergrund stehen als die körperlichen Höchstleistungen.

Jae-Hwa Kwon demonstriert die Handhaltung beim Faußtstoß.
Die Technik kann unabhängig vom Alter oder sonstigen
Voraussetzungen erlernt werden.

Verdeutlicht am Beispiel des regulären Trainings

Im traditionellen Taekwon-Do nach Jae-Hwa Kwon steht nicht das stupide Üben von wenigen Techniken im Vordergrund. Beispielsweise könnte die permanente einseitige Übung eines bestimmten Kicks eine zu hohe Belastung auf die Gelenke im Hüftbereich ausüben. Stattdessen werden mehr oder weniger komplexe Technik-Kombinationen geübt und einstudiert. Technikfolgen haben zum einen den Aspekt der Vielseitigkeit im Fokus. Es werden dabei möglichst viele verschiedene Bereiche des Körpers aktiviert und bewegt, um eine ausgewogene und ganzheitliche Förderung des Körpers zu forcieren. Somit wird also im normalen Training jeder Muskel, jedes Gelenk und jede mögliche Rotationsebene trainiert. Hinzu kommt zum anderen, dass diese komplexen Bewegungsabläufe einen großen Einfluss auf unsere kognitiven Fähigkeiten haben (also wie Informationen und Bewegungen verarbeitet werden).

Jae-Hwa Kwon demonstriert eine Abwehrbewegung.
Jae-Hwa Kwon demonstriert eine Abwehrbewegung.

Durch die permanente Übung verschiedenster Bewegungen werden die Abläufe automatisiert. Ähnlich dem Laufen, bei dem wir uns nicht mehr auf den Bewegungsablauf (linker Fuß, rechter Fuß usw.) konzentrieren müssen, werden die Bewegungen zunehmend ausgeführt, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.

In einer Unterrichtseinheit werden optimaler Weise alle erdenkbaren Bewegungsabläufe und -richtungen geübt, was wiederum die Flexibilität des Gehirns fördert. Anstatt eine Bewegung permanent zu wiederholen, werden beide Gehirnhälften (die logisch denkende und die kreativ denkende) durch die vielen verschiedenen Bewegungen miteinander verknüpft. Wir müssen uns zu hundert Prozent auf die aktuelle Bewegung konzentrieren und haben keine freien Kapazitäten für andere Gedanken. Dieses „Befreien“ von allen unnützen Gedanken ist auch ein Ziel in der Meditationspraxis. Wir sind den ganzen Tag über mit Informationen und wichtigen Dingen beschäftigt, dass uns das Abschalten zunehmend schwerfällt. Demzufolge ermöglicht uns selbst das reguläre Training eine Befreiung von allen überflüssigen Gedanken. Dies kann mit einer Art Bewegungsmeditation, wie es beispielsweise auch das Yoga ist, gleichgesetzt werden. Mit etwas Übung ist man dann nach dem Training nicht kaputt und müde, sondern hat den Kopf frei für Neues.

Nachahmung und Arbeitsweise des Gehirns

In der Psychologie gibt es das Konzept der sozialkognitiven Lerntheorie. Dieses besagt, dass wir bereits von Kindesbeinen an durch Beobachten und Nachahmen lernen und uns entsprechende Eigenschaften durch „abgucken“ aneignen. Bereits kleine Kinder lernen, indem sie Ältere (z.B. Geschwister oder Eltern) nachahmen. Das bloße Zusehen bei Bewegungsabläufen bewirkt im Gehirn, dass sich entsprechende Strukturen entwickeln und wir beginnen zu lernen. Der Trainer, Lehrer oder Meister kann also durch das Vormachen von Bewegungen bereits einen Lerneffekt in Gang setzen. Wichtig dabei ist zu bemerken, dass es nicht lediglich um ein Kopieren von Bewegungen geht, sondern darum das Ziel der Bewegung zu verstehen, um diese dann auf die eigenen Möglichkeiten anpassen zu können. Auch hier spielt wieder die Unterscheidung in Alter, Fitness, Beweglichkeit etc. eine zentrale Rolle, da sich ein 50-Jähriger nicht mehr so bewegen kann, wie ein 17-Jähriger. Das Ziel ist es die Bewegung im Rahmen der gegebenen Toleranzen für sich zu interpretieren. Das Schöne ist, dass dies nahezu vollständig automatisiert abläuft. Je mehr wir in die Trainingsphilosophie einsteigen, desto leichter fällt es die Bewegungen und Trainingsinhalte auszuführen, unabhängig von Alter oder sonstigen persönlichen Umständen.

Jae-Hwa Kwon zeigt einen Dwit-Chagi (Rückwertstritt) mit beiden Füßen.
Eine solch perfekte Synchronität ist nur mit durch jahrelanges intensives
Training möglich. Durch dieses beidseitige Üben der Techniken werden
die beiden Gehirnhälften gefördert.

Hinzu kommt, dass unser Gehirn nicht darauf ausgelegt ist mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Der Eindruck, dass wir dies könnten, entsteht allein dadurch, dass die Abfolgen so schnell hintereinander passieren, dass sie gleichzeitig erscheinen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Dehnen. Dabei gehen wir in eine Dehnung – wie beispielsweise den Spagat – und verspüren zunächst einen Schmerz. Dieser Schmerz kann jedoch durch eine Ablenkung, wie beispielsweise die Konzentration auf die Atmung, gemindert oder gar ganz vergessen werden. Das Gehirn kann sich immer nur auf eine Situation zur gleichen Zeit konzentrieren. Indem wir uns also auf etwas anderes fokussieren, tritt eine unangenehme Erscheinung in den Hintergrund. Wir nehmen den Schmerz nicht mehr wahr und können unsere vermeintlichen Grenzen erweitern. Das Dehnen im Spagat geht besser und wir kommen tiefer runter. Indem wir uns also auf etwas konzentrieren, können wir uns verbessern und unsere Fähigkeiten nehmen zu. Es geht also nicht darum alles auf einmal zu erreichen, sondern sich Stück für Stück weiter zu entwickeln. Dies ist wiederum in der Art und Weise des Trainings im traditionellen Taekwon-Do verankert. Die Trainierenden werden nach und nach an die ganzheitliche Entwicklung von Körper und Psyche herangeführt und erhalten immer nur so viel an neuen Techniken und neuem Wissen, wie sie brauchen. Es ist eine Entwicklung, die über mehrere Jahre dauert und die Trainierenden nachhaltig und auf die eigenen Möglichkeiten abgestimmt auf einen gesunden und selbstsicheren Weg führt. Das Gehirn erweitert mit der Zeit seine Fähigkeiten und wird leistungsfähiger. Diese im Training erlangten Fähigkeiten übertragen sich auf das eigene Leben und die Leistungsfähigkeit steigt.

Natürlich gibt es noch weitere Effekte, die im Gehirn von Kampfkünstlern durch das Training angestoßen werden. Beispielsweise gibt es positive mental-psychische Effekte im Bereich der Selbstsicherheit, des Selbstbewusstseins, der Selbstwirksamkeit oder der Beziehungsgestaltung. Weiterhing hat die Wirkung von Vorbildern einen enormen positiven Einfluss auf unsere mentale und soziale Verfassung. Diese weitern Effekte sollen in zukünftigen Blogbeiträgen näher erläutert werden.

Jae-Hwa Kwon - One Body. One Life. One Mision.
Meister Kwon zu seinem 50 jährigem Jubeläum des unterrichtens in Europa und der Welt. Sein Motto: One Body. One Life. One Mission.

© Textrechte liegen bei Dr. Björn Pospiech. All rights reserved.
© Bildrechte liegen bei Jae-Hwa Kwon. All rights reserved.

Taekwon-Do: Kraft für das Leben

Taekwon-Do: Kraft für das Leben

Im Folgenden Beitrag widme ich mich der Bedeutung des Taekwon-Do für die Lebenskraft. Es geht dabei ausdrücklich nicht um eine Bedeutung des Begriffs im esoterischen Sinn, sondern um eine Ableitung aus der ostasiatischen Weltanschauung. Die Lebenskraft wird beispielsweise im koreanischen und japanischen „Ki“, im chinesischen „Chi“ und im indischen „Prana“ genannt und meint die ganzheitlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen, ein bewusstes und positives Leben führen zu können. Durch die Hilfe einer Kampfkunst, wie es das traditionelle Taekwon-Do ist, oder anderen Bewegungskünsten wird diese Lebenskraft geordnet, kontrolliert und gestärkt, um folglich ein langes und gesundes Leben zu führen. Lebenskraft setzt sich aus körperlichen, mentalen, gesellschaftlichen und spirituellen Bestandteilen zusammen und ist zudem in der asiatischen Denkweise eine allesumgebende und allesverbindende Kraft. Der Blick ist jedoch stets auf unser Selbst gerichtet und es wird sich nicht mit anderen gemessen. Dennoch besteht eine permanente Wechselbeziehung zwischen uns und unserer Umwelt, welche positive oder negative Auswirkungen haben kann. Die Aussage „Ich bin stark!“ sollte also niemals als Vergleich mit anderen Menschen oder Lebewesen getroffen werden, sondern sich stets auf die eigenen Fähigkeiten und deren Entwicklung konzentrieren.

Tae Kwon Do Power - Jae-Hwa Kwon
Die Kraft hinter Taekwon-Do in einer Bewegung festgehalten.

Taekwon-Do Power, also die Kraft hinter der Kampfkunst, kommt aus der jahrelangen Übung. Durch das intensive und fordernde Training wird angestrebt, die eigene Stärke zu steigern, was als ein Kampf mit sich selbst und der eigenen Identität verstanden werden darf. Die so aufgebaute Stärke und Kraft ist aber in keinerlei Hinsicht dazu da, andere einzuschüchtern oder gar im Kampf zu besiegen. Es geht, wie bereits erwähnt, ausschließlich darum, die eigene Lebenskraft aufzubauen, zu kontrollieren und zu organisieren. So wird diese Stärke beispielsweise in Vorführungen einzig aus dem Grund heraus demonstriert, um anderen die Möglichkeiten dieses intensiven Trainings an sich zu zeigen. Das Ziel dahinter ist es, Zuschauer zu motivieren, den Taekwon-„Weg“ einzuschlagen und an der eigenen Lebenskraft zu arbeiten.

Alle Techniken im traditionellen Taekwon-Do sind so ausgelegt, dass sie bei richtiger Ausführung den Körper dauerhaft stärken und zu jahrelanger Gesunderhaltung beitragen können. Dies umfasst beispielsweise (alle Effekte aufzuzählen ginge hier zu weit) neben der umfassenden Kräftigung, insbesondere körperlicher Schwachstellen wie Gelenke, eine Erhöhung der Fitness, auch eine Steigerung der Mobilität sowie eine Verbesserung der Körperwahrnehmung. Darüber hinaus wird aber auch die Psyche positiv beeinflusst. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, individuelle Grenzen werden realistisch eingeschätzt aber auch sukzessive erweitert, darüber hinaus wächst der Respekt gegenüber dem Umfeld.

Durch das hingebungsvolle Training und die intensive Auseinandersetzung mit uns selbst, wächst in uns schließlich die Erkenntnis, wie wertvoll und schützenswert das Leben ist. Es drängt sich irgendwann die Frage auf, warum eine mögliche Gefährdung der eigenen Lebensgrundlage (z.B. Körper, Psyche und Persönlichkeit) noch länger in Kauf genommen werden soll oder, daraus abgeleitet, warum eine mögliche Gefährdung anderer Menschen oder sonstiger Lebewesen riskiert werden sollte? Daraus resultiert beispielsweise, dass nur das kontaktlose Training erstrebenswert ist. Entweder die geübten Techniken werden so ausgeführt, dass der Kontakt mit einem Übungspartner keine ernsthafte Gefährdung darstellt, oder es wird so geübt, dass der maximale positive Effekt für den Übenden daraus resultiert. Im Mittelpunkt steht demnach das Streben, eine Technik stets sauber (mit der richtigen Technik und Ausführung), kraftvoll (mit einer maximalen Wirksamkeit der Technik nach innen und außen) und richtig (den eigenen körperlichen Voraussetzungen angepasst) auszuführen. Es geht also nicht darum, sich mit einem anderen zu messen, sondern für sich selbst zu üben. Letztlich bildet dies die Grundlage für ein Leben, in welchem man lange stark und gesund bleibt.

Nach Jae-Hwa Kwon ist das traditionelle Taekwon-Do eine Möglichkeit den Zustand von Satori („jene wahre und mit Worten nicht wiederzugebende Einsicht […] alle Dinge in der Weise [zu sehen], daß man völlig mit ihnen eins wird und sie nicht mehr von außen, als ein Zweites beurteilt“ [1]) zu erreichen. Auch hier dient das Training einzig und allein dem Zweck an seinem eigenen Selbst zu arbeiten und die eigene Lebenskraft zu steigern, um schließlich bewusster und achtsamer zu Leben.

„Es ist die Grundidee des Do, die Lücke zwischen Wille, Gedanken und Körper zu schließen, um in dem so errichteten Zustand dem Geist freie Entfaltungsmöglichkeit zu geben und ihm den Zugang zum Satori zu ermöglichen. Diese erwähnte Lücke zu schließen, wird nun dadurch erreicht, daß Geist, Gedanken und Körper durch eine bestimmte, kontinuierlich fortgesetzte Tätigkeit oder Verhaltensweise, die von ersterem gesteuert wird, aneinandergebunden werden, und so allmählich völlig ineinander übergehen.[1]


Die aus den vorangegangenen Betrachtungen resultierende Erkenntnis ist also, dass das richtig und bewusst durchgeführte Training im traditionellen Taekwon-Do die „Kraft für das Leben“ (auch Lebenskraft, Ki, Chi oder ähnlich bezeichnet) steigert.

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei meinem Meister – Jae-Hwa Kwon – bedanken. Er hat mir nicht nur das hier verwendete Bildmaterial zur Verfügung gestellt, sondern gab mir auch die Inspiration für diesen Beitrag. Darüber hinaus hat mir Meister Kwon Bilder und Inspiration für viele weitere Beiträge gegeben und motiviert mich, zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der Kampfkunst traditionelles Taekwon-Do. Ich fühle mich sehr geehrt von einem Mann zu lernen, der sein ganzes Leben der Ergründung und Vermittlung einer so lebensbeeinflussenden und lebensfördernden Kunst gewidmet hat. Sein Motto: „One Body. One Life. One Mission.“ gewinnt mit seinen 80 Jahren zunehmend an Bedeutung und ich empfinde größte Freude und Ehre, unmittelbar von ihm als lebende Legende unterrichtet zu werden.

Jae-Hwa Kwon - One Body. One Life. One Mision.
Meister Kwon zu seinem 50 jährigem Jubeläum des unterrichtens in Europa und der Welt. Sein Motto: One Body. One Life. One Mission.

[1] Aus: Kwon, Jae-Hwa – Zen-Kunst der Selbstverteidigung, Barth 1971

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Der Tiger frisst niemals Gras 

Der Tiger frisst niemals Gras 

Bei einem Trainingsaufenthalt in Portland im September 2015 bei Meister Kwon, Jae-Hwa war, wiederholte dieser uns immer wieder mantraartig folgenden Kung-an[1]: „Der Tiger isst niemals Gras!“. Dazu erzählte er folgendes:

„Ein Tiger ist Fleischfresser und egal wie hungrig er ist, er wird niemals Gras essen. Sie müssen überlegen was Sie wollen! Geben Sie sich mit Gras zufrieden oder riskieren Sie den Tod?“

Vor dem koreanischen Hintergrund, dass einer Legende nach Tan-Gun, der Urvater der Koreaner, eine ehemalige Bärin zur Frau nahm, weil sie in einem Wettkampf mit einem Tiger gewann, gab mit die Aussage von Meister Kwon die letzten Monate viel zu bedenken. Dabei ist das Folgende herausgekommen…

Die Legende von Tan-Gun

Der koreanischen Mythologie nach wurde das Volk der Koreaner von einem Gottessohn begründet, dessen Pseudonym Tan-Gun ist. Einer Legende nach lebten ein Tiger und ein Bär zusammen in einer Höhle und beteten für Menschen zu werden. Die Gottheit Hwan-ung (der Sohn des Allgottes Hwan-in) rief infolgedessen einen Wettkampf zwischen den beiden aus. Wenn beide in der Höhle für 100 Tage, mit ausschließlich Beifuß und Knoblauch als Nahrung, überleben würden, würde er Sie zum Menschen machen. Als der Tiger kurze Zeit später vor lauter Hunger aufgab, weil er das Gras nicht essen wollte, ging der Bär nach insgesamt 21 Tagen als Sieger hervor. Hwan-ung verwandelte ihn darauf in eine Frau und ehelichte sie. Aus der Liaison ging Tan-Gun hervor, welcher das erste koreanische Königreich (Choson) begründete.[2]

Somit hat in dieser Legende derjenige gesiegt, der flexibler war und sich den Gegebenheiten besser anpassen konnte. Beide Tiere sind Fleischfresser und haben enorm viel Kraft. Sie würden sich bei einem realen Aufeinandertreffen wohl eher aus dem Weg gehen und in einem Konflikt gäbe es keinen sicheren Gewinner. Der Tiger wollte oder konnte seine Prinzipien, ausschließlich Fleisch zu fressen, nicht überwinden und hat es vorgezogen aus diesem Wettstreit als Verlierer dazustehen. Auf der einen Seite zeigt dies eine enorme Charakterstärke sich keine Vorteile durch einen Kompromiss einzugehen. Andererseits hat der Bär durch seine Offenheit ein Volk begründet. An dieser Stelle soll sich jede/r Leser/in eine eigene Meinung bilden, welche Eigenart sie oder er besser findet. Ich stelle mir die fragt, ob der Tiger überhaupt eine Wahl hatte, oder er sich wegen seiner gegebenen Eigenschaften hätte anders entscheiden können?

Kann ein Tiger Gras fressen?

Für diesen Abschnitt soll gesagt sein, dass er nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Da ich kein Zoologe bin, habe ich leider keinen Zugriff auf entsprechende Studien und Materialien. Ich versuche dennoch so gut es mir möglich ist authentische Inhalte zu vermitteln.

Tiger sind Fleischfresser und weder ihr Gebiss ist darauf ausgelegt, dass sie Gras aufnehmen könnten, noch ist ihr Verdauungstrakt in der Lage es zu verarbeiten. Das Gebiss setzt sich aus 30 Zähnen zusammen, welche darauf ausgelegt sind etwas zu brechen oder zu zerschneiden. Es besteht aus Reißzähnen, stark entwickelte Eckzähnen und spitzen Backenzähnen. Da Gras jedoch zermahlen werden muss, kann ein Tiger es vielleicht noch abbeißen/abreißen, es dann aber nicht weiter zerkleinern und müsste es im Ganzen runterschlucken. [3] Der Verdauungstrakt von Tigern ist darauf ausgelegt Fleisch zu fressen und es mit all seinen Knochen und Giften zu verarbeiten. Der Salzsäuregehalt seines Magens ist sehr hoch, um beispielsweise das Fleisch von den Knochen zu lösen und es zu zerkleinern. Es ist auch ein hoher Gehalt an Entgiftungsenzymen vorhanden, da schwerverdauliche oder giftige Bestandteile mit verschluckt werden. Auch ist der Darmtrakt daraus ausgelegt das verwesende Fleisch schnell aus dem Körper zu bekommen und es nicht unnötig lange im Körper zu halten. Durch die geringe Anzahl an Speicheldrüsen im Mund können Speisen, wie Gras nicht vorverarbeitet werden und landen direkt im Magen, wo sie aufgrund des hohen Säuregehalts ebenfalls nicht verarbeitet werden. Aus dieser Anschauung resultiert, dass Tiger Gras nicht verdauen könnten und es somit absurd ist, wenn sie es dann fressen würden.[4]

Ein paar wenige Worte möchte ich an dieser Stelle noch zum Thema „Katzen und Katzengras“ verlieren, da Tiger zur Gattung der Panthera (Eigentliche Großkatzen) und damit der Katzen gehört. Warum fressen dann Katzen Gras und Tiger nicht. Da normale Katzen bei weitem nicht so groß wie Tiger sind und auch kein so aggressives Verdauungssystem haben, können sie nicht alles was sie fressen (wie z.B. Fell) verdauen. Diverse Theorien gehen davon aus, dass Katzen Gras fressen, weil sie Vitamine oder Nährstoffe aufnehmen oder sie es aufnehmen, damit sie unverdauliches verklumpen können und somit besser hervorwürgen können.[5]

Niemals, immer, vielleicht – Yin-Yang

Eines der zentralen philosophischen Prinzipien in der asiatischen Kultur ist der Glaube an die Dualität der Dinge und allen Seins. Dabei steht das „ki“ (koreanisch für das chinesische „qi“) als eine Art Energie oder Stoff, dass weder fest noch flüssig, noch gasförmig ist und die Welt und alles darauf Existierende zusammen und in Bewegung hält. Dieser allumfassenden Lebensenergie oder auch Atmosphäre werden nun verschiedene Eigenschaften (z.B. Gestalt, Geist, Körper, Herz als Sitz der Lebenskraft) zugeordnet, welche in eine äußere (Yin) und eine innere (Yang) Beschaffenheit mit sich bringen. Demnach gibt es immer zwei Seiten, welche zueinander gehören, das Gegenteil darstellen – gut/böse, hell/dunkel, schwarz/weiß etc. – was jedoch nicht automatisch auf einen Dualismus schließen lässt. Letztlich gibt es immer noch einen Mittelweg (wie die Dämmerung oder Grau). So beinhaltet das eine (Yin oder Yang) immer auch etwas von dem Anderen, was durch den kleinen Punkt symbolisiert wird und dafür steht, dass sich alles gegenseitig bedingt und es nichts gibt, was ausschließlich alleine existieren kann. So kann ich z.B. nicht wissen ob es dunkel ist, wenn ich nicht die Helligkeit kenne. [6]

Meiner Meinung nach, sollte man eine Vorstellung von beiden extremen haben, um mit diesem Wissen den für sich optimalen Mittelweg finden. Demnach muss ich etwas nicht erfahren haben, um eine gute und für mich richtige Entscheidung zu treffen. Ich sollte aber gute Quellen haben, um eine optimale Grundlage für meine Entscheidungen treffen zu können. Ich muss also ganzheitlich denken und beispielsweise ein Problem, eine Sichtweise oder eine körperliche Beschwerde verstehen zu können.

In dieser asiatischen Denkweise gibt es bestimmte Übungen, um diese Ideen und Konzepte erfahrbar zu machen und eine ganzheitliche Denkweise im Menschen zu verankern. Hierzu gehören beispielsweise, die Meditation, die Bewegungskünste (Yoga oder Kampfkunst) oder die Kalligraphie. Sie alle machen aufgrund einer intensiven Beschäftigung mit einer Sache nach langer Übung die Idee hinter der Lebensenergie „ki“ und deren Erklärungsmodell „Yin und Yang“ als individuellen Mittelweg erfahrbar.

Wenn ich also meinen Weg gefunden und definiert habe, gibt es dann eigentlich keinen Grund davon abzuweichen? Für mich bedeutet es, dass ich mir schon Gedanken mache, ob und wie etwas Neues in mein Leben passen. Jede gemachte Erfahrung bringt mich meinem Zielzustand, dem optimalen Mittelweg für mich, ein Stück näher. Dies sollte jedoch nicht heißen, dass ich permanent die Richtung ändere, was für mich eigentlich nur aufgrund einer kompletten Fehleinschätzung in Verbindung mit einer persönlichen Enttäuschung passieren könnte. Es ist vielmehr als Spezialisierung und Verfeinerung der bereits eingeschlagenen Richtung zu sehen.

Prinzipien als Grundlage der eigenen Lebensführung

Alle Menschen bringen gewisse Prinzipien und Grundlagen für das eigene Handeln und Entscheidungen[7] mit in konkrete Situationen. Diese Grundlagen liegen begründet in angeborenen Eigenschaften, der erhaltenen Erziehung in Kindheit und Jugend, den gewählten Beziehungen und Kontakten mit anderen Menschen und einer selbstgewählten Auseinandersetzung mit dem eigenen ich. Bei mir persönlich sind meine aktuellen Prinzipien aus eine intensiven Beschäftigung mit mir und meinem Selbstverständnis, ausgelöst durch eine „Lebenskrise“ in Verbindung mit der zuvor stärker werdenden Bedeutung der Kampfkunst traditionelles Taekwon-Do für mein Leben, hervorragenden. Während der darauf folgenden Phase meiner Promotion[8], in der es unter anderem auch um das Selbstverständnis bei Lehrern ging, haben sich diese Prinzipien gefestigt und herausgearbeitet. Hierzu gehören beispielsweise, dass mein Tun und Handeln dem direkten Wohle der Allgemeinheit dienen soll, ich dabei jeden Menschen individuell betrachten möchte und ich mich einer aufgeklärten, kreativen und wissenschaftlichen Methode bedienen möchte. Ich möchte nicht alles, was mir gesagt oder gezeigt wird, einfach so hinnehmen. Stattdessen sollen die Dinge in irgendeiner Art und Weise für mich erklärbar und begreifbar sein. Natürlich gehe ich dabei nicht immer von unseren westlichen Denkweisen (wie z.B. der Schulmedizin) aus, sondern versuche permanent meinen Horizont zu erweitern und bemühe mich kreativ „über den Tellerrand“ zu blicken.

Ich kann und möchte einem jeden empfehlen sich einmal intensiv mit sich seiner Persönlichkeit und seinen Idealen auseinandersetzen. Nehmen Sie sich die Zeit und stellen sich fragen, wie „Wer bin ich?“, „Was möchte ich erreichen?“, „Woran glaube ich?“ oder „Nach welchen Prinzipien möchte ich leben?“. Dabei ist es auch sehr hilfreich sich in wissenschaftlichen Büchern und Veröffentlichungen Inspirationen beispielsweise aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie und den Gesundheitswissenschaften zu holen. Hier gibt es sehr interessante Konzepte und Modelle zu verschiedenen Bereichen, den Menschen betreffend.

Nachdem ich im vorangegangenen ein paar Hintergründe zu meinen Überlegungen gegeben habe, möchte ich im Folgenden auf meine Idee und Meinung, was Meister Kwon mit der Aussage „Der Tiger isst niemals Gras“ und dessen Bedeutung für mich eingehen.

Geradlinigkeit auf dem eigenen Weg

Auch wenn der Bär in der Tan-Gun Legende letztlich zu einer größeren Bedeutung geworden ist, so hat er nie sein Naturell und seine Ideale „verraten“. Letztlich wurde die Aufgabe so gestellt, dass nur der Bär gewinnen konnte. Hatte der Tiger das Gras gefressen, was würde dies dann über seinen Charakter aussagen? Würde er bei wichtigen Entscheidungen oder großen Herausforderungen nicht immer den einfacheren Weg gehen? Würde er letztlich nicht nur sich, sondern auch andere damit belasten? Könnte man sich auf so jemanden verlassen?

Genau dies ist für mich die Kernaussage des Kung-an von Meister Kwon.

Gehe Zielstrebig und Geradlinig deinen Weg, was nicht bedeutet Chancen, Umwege oder Abzweige zu vermeiden. Wir sollten uns aber stets die Frage stellen, ob dies zu uns und unserer Persönlichkeit passt, oder wir uns dadurch vielleicht „verraten“. Wähle nicht aus irgendeinem Grund den vermeintlich einfacheren Weg, denn ist die Entscheidung einmal getroffen, gibt es kein Zurück mehr. Handle und entscheide stets überlegt und vor dem Hintergrund deiner selbst gewählten Maxime, so kannst du im Nachhinein nicht bereuen eventuell einen Fehler gemacht zu haben.

Letztlich stellt alles was uns passiert, jede Erfahrung in irgendeiner Art und Weise eine Herausforderung und Aufgabe für unser Leben und unsere Entwicklung dar. Wenn ich nun versuche diese Erfahrungen bewusst, also wohlüberlegt und mit bedacht, in mein Leben zu integrieren, so sollte ich stets überlegen wie mit meinen bisherigen Erfahrungen und Überzeugungen einhergeht. Die daraufhin gefassten Entscheidungen und Handlungen sollten überlegt getroffen werden.

„Der Tiger frisst niemals Gras“ hat für mich die Bedeutung, dass ich im Grunde meiner Linie und meinen grundsätzlichen Beweggründen treu bleibe und mit immer bewusst bin, dass Dinge in meinem Leben passieren, weil sie mich in meiner persönlichen Entwicklung einen Schritt weiter bringen und „wachsen“ lassen.

 Nachtrag vom 10.10.2016

Bei einem Telefonat mit Meister Kwon teilte dieser, nachdem er meinen Beitrag hier gelesen hatte, mir noch mal seine Meinung dazu mit.

Demnach bedeutet der Spruch „Der Tiger frisst niemals Gras“ für ihn, dass man unbeirrt seinen Weg gehen soll. Denn nur wer selbst stark wie ein Tiger ist, wird sich nicht von anderen abbringen lassen. Er wird andere anziehen, die den Weg gemeinsam mit ihm gehen und ihn von sich aus dabei unterstützen. Er hob auch noch mal die Bedeutung des altruistischen und uneigennützigen Gebens und Daseins für andere hervor und bedauerte, dass es heute zu viele Menschen gibt, bei denen das eigene Interesse bei den Handlungen im Vordergrund steht.

 


[1] Auch Kōan eine kurze Anekdote oder Sentenz, die eine beispielhafte Handlung oder Aussage eines Zen-Meisters, ganz selten auch eines Zen-Schülers, darstellt.

[2] Quelle: Ha, T.-H. (1972). Samguck Yusa. Seoul: Yonsei University Press

[3] Quelle: http://www.tiger-online.org/anatomie/kopf/gebiss.htm

[4] Quelle: http://www.tiger-online.org/anatomie/organe/organe.htm#gast

[5] Quelle: http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article106530678/Warum-fressen-Katzen-Gras.html

[6] Siehe: Linck, G. (2000). Yin und Yang: auf der Suche nach Ganzheit im chinesischen Denken. München: Beck

[7] Siehe z.B. Feger, H. (1978). Konflikterleben und Konfliktverhalten. Bern: Huber.

[8] http://www.amazon.de/dp/3734770556

Selbstverteidigung ist mehr als körperliche Fähigkeiten (Kommentar zu den Ereignissen in Köln)

Sehr geehrte Leserin, Sehr geehrter Leeser,

ich möchte mich an Sie richten und auf die aktuelle Diskussion rund um die Übergriffe zur Silvesterzeit 2015/16 in Köln eingehen. Da ich in der aktuellen Berichterstattung grundlegende Aspekte zum Thema Selbstverteidigung misse, möchte ich Ihnen mit diesem Beitrag ein paar Gedanken mitteilen.

Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker meinte, dass es ein guter Ratschlag wäre sich von fremden Individuen oder Gruppen fernzuhalten, um nicht in solche Situationen (es wurden in der Silvesternacht mehrere Frauen von Gruppen junger Männer sexuell belästigt und bestohlen) zu geraten. Da ich in dieser Aussage eine gewisse Wahrheit sehe, finde ich die über Frau Reker hereingebrochene Empörungswelle im Internet und den Medien sehr bedenklich. Zugleich beobachte ich, wie jetzt eine unglaubliche Flut an Selbstverteidigungskursen aus dem Boden schießt. Viele möchten jetzt an der Verunsicherung der Frauen und unserer Gesellschaft mitverdienen. Dabei sollte genau dies mit größter Vorsicht betrachtet werden. Als Trainer oder Meister in einer Kampfsportschule tätig zu sein, macht noch lange keinen guten Selbstsicherheitstrainer aus einer Person. Ich möchte jetzt keinen Generalverdacht über alle Anbieter äußern, jedoch sollte man sich genau anschauen welche Qualifikationen jemand mitbringt und ob es dem entspricht, was gesucht wird.

Es werden nun oftmals schnelle Ergebnisse versprochen, indem Techniken innerhalb kürzester Zeit erlernt werden. Auch werden oftmals Verhaltenskodexe wie lautes Schreien und auf sich aufmerksam machen vermittelt. All diese Elemente der Selbstverteidigung haben selbstverständlich ihre Daseinsberechtigung, jedoch möchte ich Sie zum Nachdenken anregen. Ein Kampfsportler übt seine Techniken über mehrere Jahre, um die im Kampf notwendigen Reflexe aufzubauen. Jeder der glaubt dies innerhalb eines Kurses von (im besten Fall) mehreren Wochen erlernen oder vermitteln zu können, irrt. Auch wenn das Erlernte nach dem Training funktioniert, so bedeutet dies noch lange nicht, dass die erlernten Techniken auch in einer Extremsituation verfügbar sind und eingesetzt werden können.

Die effektive Selbstverteidigung setzt sich meiner Ansicht nach aus zwei Elementen zusammen. Während die „Präventive Selbstverteidigung“ sich damit beschäftigt, eine Konfrontation zu vermeiden und Wissen zu vermitteln, werden in der „Angewandten Selbstverteidigung“ Techniken erlernt, mit denen man sich in einer körperlichen Auseinandersetzung zur Wehr setzen kann. Eine kleine Grafik soll dies verdeutlichen:

SV-KonzeptionWie bereits oben beschrieben bedarf es bei den Anwendungstechniken, insbesondere bei den Techniken für einen Kampf, einer langfristigen Übung. Aus diesem Grund möchte ich im Folgenden näher auf die „Präventive Selbstverteidigung“ eingehen und Ihnen dies näher erläutern.

In der „Präventiven Selbstverteidigung“ gehe ich davon aus, dass jeder Konflikt mithilfe von Achtsamkeit im Umgang mit anderen Menschen, einer selbstbewussten Haltung und sozialpsychologischem Wissen entweder ganz oder vor der Eskalation vermieden werden kann.

Dies beginnt mit dem Wissen über und der Übung an der eigenen inneren und äußeren Haltung. Hier stehen Fragen wie „Welche Wirkung haben ich und mein Verhalten auf andere?“, „Wie sehe ich mich selbst im Umgang mit anderen?“ oder „Wie kann ich mein Verhalten und meine Wirkung bewusst steuern?“ im Vordergrund. Es gilt an der eigenen Körpersprache zu arbeiten und zu lernen diese bei anderen zu deuten, denn durch eine selbstbewusste/aufrechte Erscheinung gerät man beispielsweise nicht so leicht in eine „Opferrolle“. Über solche körperlichen Veränderungen wird dann auch ein mentaler Effekt begünstigt, wodurch man sich anderen gegenüber auch selbstbewusster verhält. Darüber hinaus lernt man andere Menschen aufgrund ihrer Körpersprache und ihres Verhaltens besser einzuschätzen und kann gegebenenfalls bereits im Vorfeld kritische Situationen vermeiden.

Ein zweiter wesentlicher Aspekt der präventiven Selbstverteidigung ist es, an der situativen Kompetenz im Umgang mit anderen Menschen zu arbeiten. Dies bedeutet, dass ich wissen muss, warum und wie Menschen in bestimmten Situationen handeln. Hier spielt die Sozialpsychologie eine wichtige Rolle, die sich mit dem Themenkomplex der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens im sozialen Kontext auseinandersetzt. Wenn ich Hintergrundwissen über das menschliche Verhalten, wie der Gruppenzwang, die Gehorsamkeit, den Zuschauereffekt oder den Einfluss sozialer Normen auf unser Handeln habe, kann ich Situationen besser einschätzen. Hier geht es aber auch darum, die Wahrnehmung und Reaktion in Gruppen zu verbessen und juristische Grundlagen für das eigene Handeln kennenzulernen, also was beispielsweise Notwehr ist, was dies von Selbsthilfe und Notstand unterscheidet und welche Rechte ich habe, mich und andere zu verteidigen. Letztlich sollten hier auch Umgangsweisen geübt werde, um kritische Situationen zu vermeiden oder zu schlichten.

In der „Anwendungsorientierten Selbstverteidigung“ gehe ich dann davon aus, dass wir uns zunächst aus einer gefährlichen Situation befreien und uns der Situation entziehen wollen. Es geht also um das einfache (und damit schneller erlernbare) Lösen aus dem Festgehaltenwerden und der Anwendung einfacher Hebel. Gegenüber einer Angreiferin/einem Angreifer ist der Überraschungsmoment die effektivste Verteidigung, da dieser sehr wahrscheinlich zunächst verwirrt ist und wir somit Zeit bekommen. Alles was sie oder ihn aggressiv machen könnte, sollte vermieden werden. Letztlich wissen wir nie, ob eine Waffe eingesetzt werden könnte oder um die Ecke eine Gruppe zur Unterstützung wartet.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, auch die „10 Punkte für Zivilcourrage“ des Aktion Zivilcourage e.V. zu kennen und zu verinnerlichen, welcher eine einfache und logische Handlungsanweisung aufzeigt (vorbereitet sein, ruhig bleiben, sofortiges Handeln, Unterstützung holen, Aufmerksamkeit erzeugen, Täter verunsichern, dem Opfer beistehen, keine Gewaltanwendung, nicht provozieren und die Polizei rufen).

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Geschehennisse in Köln wohl selbst mit den besten Selbstverteidigungskursen nicht gänzlich vermeidbar gewesen wären. Wenn eine größere Gruppe gemeinsam und geplant handelt, kann eine einzelne Person oder eine kleine Ansammlung von Personen fast nichts dagegen unternehmen.

Sollten Sie Fragen oder Anregungen zu meinen obigen Ausführungen haben, stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung (nutzen Sie einfach das Formular oder schreiben ein Kommentar unten).

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Björn Pospiech

15 Jahre Taekwon-Do Center Heidelberg

Heute vor 15 Jahren wurde  das Taekwon-Do Center Heidelberg von Herrn Gerd Göres eröffnet. Seitdem war die Schule ein Bewegungs- und Begegnungsraum für viele Schüler. Es wurde viel geschwitzt und philosophiert,  oft war es sehr anstrengend, aber auch entspannend; wir hatten gute und schwierigere Zeiten.

Alles in Allem blicke ich positiv auf die vergangenen Jahre zurück und bin Herrn Göres sehr dankbar, dass er die Schule gegründet hat, mir wieder den Weg zum Taekwon-Do eröffnete und letztlich das Vertrauen in mich gesetzt hat, die Schule zu übernehmen. Seit dem 01.01.2007 leite ich nun das Taekwon-Do Center, also seit fast neun Jahren. Die Erfahrung meine Schüler verantwortungsbewusst auf ihrem Lebensweg zu begleiten und ihnen den Weg des Taekwon-Do näher zu bringen, hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Die größte Entwicklung habe ich wohl in der Zeit meiner Promotion durchlaufen, da ich mich hierbei so intensiv wie noch nie mit mir und meiner Rolle als Lehrer beschäftigte. Dies geschah einerseits durch meine tiefgreifende Einarbeitung in theoretische Hintergründe aus den Bereichen Gesundheitsförderung, Bildungswissenschaften und Psychologie, andererseits durch meine Interviews mit vielen erfahrenen Schul- und Kampfkunstlehrern. Es beeinflusste mein Bild von einem Meister maßgeblich und initiierte eine Suche nach der für mich idealen  Meisterrolle. Diese Entwicklung und Suche ist noch nicht abgeschlossen und ich möchte zukünftig diesen Blog dazu nutzen, meine Gedanken niederzuschreiben. Dabei freue ich mich natürlich über jede Meinung, sei sie noch so kontrovers.

Nun aber zurück zum Taekwon-Do Center Heidelberg. Heute, also genau nach 15 Jahren, habe ich die letzten Sachen aus den alten Räumen am Czernyring geholt, die ehemalige Schule noch ein letztes mal gereinigt und sie schließlich für immer geschlossen. Wer weiß, was die Räume in Zukunft alles erleben werden und wer weiß, welchem neuen Zweck sie bald dienen dürfen…

Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft. Das weinende vergießt Tränen der Trauer, weil nun ein Abschnitt meines Lebens endet. Es vergießt aber auch Tränen der Freude, weil ich in diesen Räumen so viel lernen durfte. Das lachende Auge freut sich auf die Zukunft und auf die neuen Räume, in denen seit dem gestrigen Tag trainiert wird. Die neue Schule ist meines Erachtens sehr schön geworden und ich kann nur jeden ermutigen und einladen, uns einmal zu besuchen. Es wird weiterhin Schweiß fließen, intensiv trainiert und philosophiert werden und wir werden die Kampfkunst traditionelles Taekwon-Do und das Meister-Schüler-Verhältnis intenisv studieren. Ich freue mich auf das, was da kommen mag.

…vielen Dank Herr Göres
…vielen Dank den vielen fleißigen Schülerinnen und Schülern
…vielen Dank an alle, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben
…vielen Dank an Meister Kwon, Jae-Hwa, der das traditionelle Taekwon-Do nach Europa gebracht und es bewahrt hat
…vielen Dank an alle, die mein Leben zukünftig begleiten werden

Dr. Björn Pospiech

Es folgen ein paar Bilder der Schule:

Hier suche ich noch ein Bild, wie die Schule ursprünglich aussah, al sie noch Parkett statt der Matten hatte.

Die Schule, als Dr. Björn Pospiech das Taekwon-Do Center heidelberg übernommen hat.
Die Schule, als Dr. Björn Pospiech das Taekwon-Do Center Heidelberg übernommen hat.

Hier wird noch ein Bild eingefügt, das die Schule kurz vor dem Umzug zeigt.

Das Letzte Bild der alten Räume im Czerniring
Das Letzte Bild der alten Räume im Czerniring
Unsere neuen Räume, in denen wir seit dem 21.09.2015 trainieren.
Unsere neuen Räume, in denen wir seit dem 21.09.2015 trainieren.